Der Weg, der Lehrer und der Fisch.

13 Jan

Oder: Wie nennt man ein Sushi-Restaurant, das eigentlich gar keins sein will?

Sushi – da denkt man, zumindest bei uns in Deutschland, an Fließbandtheken, dahinter freundliche Aushilfs-Studenten asiatischer Herkunft und Reiswürfel in Maoam-Größe mit diversen Fischstückchen obendrauf. Aber Sushi geht auch anders – behauptet zumindest Charlotte Steinbart, die nach 2 Jahren Ausbildung in Kalifornien (bei Meister Toshi Sugiura) jetzt ihr eigenes kleines Restaurant im Bremer Schnoor aufgemacht hat. Onworks hatte die Ehre, dem ganzen einen Namen und einen angemessenen Auftritt zu verleihen.

Die besondere Herausforderung lag darin, einen Namen zu finden, der zwar erkennen lässt, dass es sich um ein japanisches (oder besser: pazifisches) Haus handelt, sich aber gleichzeitig von genau den Fließband-Sushi-Ketten abzuheben, die einem eben sofort einfallen, wenn man an Sushi denkt – siehe oben. Feiner sollte es sein, der hohe Grad an handwerklichem Können und inspirierter Kreativität sollte durchschimmern, gleichzeitig sollten die Philosophie und die handverlesene kalifornische Ausbildung der Inhaberin mitschwingen.

Ok, dachten wir, fangen wir einfach an: Was heißt Fisch auf japanisch? Das hatten wir schnell raus – Sakana. Eben so schnell allerdings machten uns die viereinhalb Millionen Google-Treffer zu Sakana stutzig, von denen bei näherem Hinsehen nicht wenige tatsächlich auf Sushi-Vertriebsstellen entfielen. So einfach war die Sache also nicht, und wir vertieften uns in den nächsten Wochen in das Thema Japan, begrüßten uns täglich mit konichiwa und verbeugten uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit – sich „reinfühlen“ war angesagt. Außerdem quetschten wir Charlotte aus, obwohl die eigentlich anderes zu tun hatte, die Eröffnung rückte schließlich näher. Und irgendwann, nach Lektüre von ein bisschen japanischer Philosophie, war die Idee da: Denn wenn zum Beispiel Kyudo in der japanischen Philosophie den Weg des Bogens beschreibt, Chado den Weg des Tees oder Bushido den Weg des Kriegers – dann ging Charlotte doch eindeutig den Weg, den ihr Meister ihr gezeigt hatte: Toshis Weg also – Toshido.

Mit dem Zusatz „Feine pazifische Küche“ signalisiert der Name nicht nur eindeutig japanisches, sondern steht für die Philosophie des jungen Unternehmens ebenso wie für die Tradition, die durch Toshi verkörpert wird. Und wir haben bei der ganzen Geschichte wieder einmal erfahren, dass gute Kommunikation immer einfach aussieht – dass der Weg dahin meistens aber alles andere als einfach ist. Sayonara.

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